Leukämie

  • Angst um dich

    Angst um dich

     

     

     

    dich zu verlieren

     

    mehr als doppelt intensiv

     

     

     

    will dich

     

    nicht

     

    verlieren müssen

     

    mehr leiden sehen müssen

     

    verlieren sehen müssen

     

     

     

    will dich weiter

     

    mehr lieben können

  • AUS

    AUS ! AUS !

     

    Geweint:. „ AUS!“

     

    Ausgeweint.

     

    AUS !“ aus!

     

  • Die Diagnose

    Die Diagnose

     

    wie ein Orkan,

     

    der uns das Stehen und Gehen neu lehrte.

     

     

     

    Nach Wochen

     

     

     

    angekommen im Chaos der Realität

     

    haltlos im bodenlosen Tal

     

    alles rauscht weiter

     

    so trocken, so trostlos, so aussichtslos

     

     

     

    Die Zeit

     

    vergeht mit uns

     

    hängend in den Seilen:

     

    Marionetten anderer Parameter

     

     
  • Einer dieser Tage

    Einer dieser Tage

     

    trieb uns auseinander

     

    beraubte dich deiner Kindheit

     

    katapultierte dich ins Erwachsensein

     

     

     

    Einer dieser Tage

     

    hat seine Gewalt verloren

     

    Akzeptanz ohne Toleranz

     

     

     

    Weil Freuden

     

    sich manchmal

     

    wieder blicken

     

    weil tiefe Gespräche

     

    uns so eng wie nie gedacht

     

    aneinander rücken

     

    lassen

     

     

     

    Einer dieser Tage

     

    weil er dich

     

    mit einer besonderen Art

     

    Weisheit beseelte.

  • Eines – ähnlich dieser 1000 Gespräche -

    Eines – ähnlich dieser 1000 Gespräche -

     

     

     

    wie verändert dich der Krebs

     

     

     

    was macht er mit dir

     

    was will er mit dir

     

    was macht er in dir

     

     

     

    wie weit musst du gehen

     

    welche Wege können wir mit dir gehen

     

     

     

    Welche Einschränkungen erlegt er dir auf

     

    welche Sorgen löst er in uns aus

     

     

     

    Doch dieses Mal sagst du auch:

     

    Mama! Ich bin immer noch ganz drin in mir!

  • Ertappt

    Ertappt - gelacht auf Station

     

     

     

    Damals D E R Gedanke:

     

     

     

    Krebs!

     

    Einer muss gehen!

     

     

     

    Lachen verschoben auf unbestimmte Zeit

     

    Das Schwert schwingt mit

     

    - mittlerweile ohne Dominanz.

     

     

     

    Und dann lachte ich mittendrin vor Freude.

  • G – Station – t

    G – Station – t

     

     

     

    Geschockt,

     

    geweint,

     

    geängstigt,

     

    geschnürt,

     

    geflucht,

     

    gewütet,

     

    geschimpft,

     

    gefordert,

     

    geredet,

     

    gekämpft,

     

    gewartet,

     

    gelebt,

     

    gespürt,

     

    geschont,

     

    gescherzt,

     

    gelacht,

     

    geliebt.

     

     

     

    Geh nicht!

  • Gesellschaftlicher Grenzverkehr

    Gesellschaftlicher Grenzverkehr

     

     

     

     

     

    Familie am Limit!

     

     

     

    Kontakt zur Welt?

     

     

     

    Steril durch eine medizinische Mauer.

     

     

     

    Umfeld gelähmt!

     

     

     

    Unfreiwillig erstarrt;

     

     

     

    Still atmend;

     

     

     

    Nach Ansprache suchend… .

  • Ich

    Ich

     

     

     

    bislang dein freigewähltes Lexikon

     

    in deinem Leben.

     

     

     

    Dieser eine Tag -

     

    läßt mich zu einer alten Ausgabe werden.

     

     

     

    Mama?!

     

    Warum ich?!

     

    Was hab‘ ich denn der Welt Schlechtes getan?!

     

     

     

    Dieser eine Tag -

     

    bestärkt mich mehr als je zuvor darin:

     

     

     

    dich fester zu halten,

     

    dich inniger zu lieben,

     

    dich im Kampf zu stützen,

     

    dich in Pausen zu stärken.

     

     

     

    Dafür bin Ich.

  • Intensiv

    Intensiv

     

     

     

    Gemeinsam Angst haben

     

    ausgesetzt fühlen

     

    Schatten jagen

     

     

     

    Gemeinsam Freude finden

     

    Worte sagen

     

    Gefühle zeigen

     

     

     

    Gemeinsam Hoffnung schöpfen

     

    reden können

     

    leben

     

     

     

    Intensiv!

  • Jedermanns Standardweg

    Jedermanns Standardweg

     

    Kleine Sorgen ↔ Große Gedanken

     

     

     

    Dann ein Ruck für uns

     

    die Diagnose

     

     

     

    Ein Gefühl von tonnenschweren Steinen

     

    vor die Brust geworfen

     

     

     

    Aus, gebremst

     

    ausgebremst

     

     

     

    Große Sorgen ↔ Tiefe Gedanken

     

     

     

    Zittern

     

    Beben wütend,

     

    hilflos sein

     

    Schwanken wanken

     

    zwischen Tränenflüssen ertrinkend tief

     

    doch du dabei schwimmend oben.

     

     
  • Lethargie der Außenwelt

     

    Lethargie der Außenwelt

     

     

     

     

    Engste Familie

     

    in Tränenseen ertrunken.

     

    Erwachen erstickt durch: „ Was kann ICH tun?“

     

     

     

    Engste Freunde

     

    schweigen stumm

     

    brauchen Wochen,

     

    um zu sprechen.

     

    Ihre Tränen klauben vertraute Worte.

     

     

     

    Die Gesellschaft des Kindeslebensraum

     

    geschockt und gleichsam erstarrt

     

    Niemand!

     

    traut sich

     

    Hände zu halten

     

    oder zu fragen, wie es einem geht.

     

     

     

    Alle Schockstarre sich langsam löst:

     

    Daumen drücken, Päckchen machen,

     

    Karten schicken aus aller Herren Länder,

     

    Wünsche Fremder auf der Straße.

     

     

     

    Soviel Schub

     

    - man glaubt es kaum -

     

    trägt durch die Zeit.

  • Machtlos

    Machtlos

     

     

     

     

     

    Stoische Macht durch die Flure schleicht

     

    nach freudigem Leben versucht zu greifen

     

    Trotzigen Augen mit Lebenswillen

     

     

     

    Die Macht

     

    sich an diese Schultern haftet

     

    sich diverser Handlager bedient

     

    Die Leben mit unsäglicher Pein malträtiert

     

     

     

    Schwer wie Stein

     

    wie von Ketten umarmt

     

    legt sich unbeugsam mit Mut und Hoffnung an

     

    will Zuversicht zerstören

     

    zerrt an Nerven

     

    Geduld zum Zerreißen gespannt

     

    Schürt die Angst vor dem Unausweichlichen

     

    und lässt die Zeit raffen.

     

     

     

    Das Lächeln soll gehen.

     

    Die Macht will

     

    die Zukunft für sich ganz allein

     

    aber nicht ganz :

     

     

     

    Machtlos, denn

     

     

     

    Warme Erinnerung bleibt.

  • Müde Gestalten

    Müde Gestalten

     

    nächtens in der Küche stehen

     

    tagsüber abwechselnd einkaufen gehen

     

     

     

    Berge würzen

     

    und kredenzen -

     

    für Fremde nicht zu verstehen

     

     

     

    Die verzehrten Mengen einfach heftig

     

    Tausend Teller

     

    von herzhaft bis deftig

     

     

     

    Dabei so mancher eine Krise kriegt

     

    bei dem was er auf dem Teller liegen sieht

     

     

     

    Der Appetit schier grenzenlos

     

    stellt so jeden starken Esser bloß

     

     

     

    Die Gedanken sich stets ums Essen drehen

     

    nur engste Vertraute können das nachvollziehen

  • Nacht-Leben

    - Für Schwester Mirjam -

     

    Nacht-Leben

     

     

     

    Inmitten der schalldichten Nächte

     

    Dunkelheit

     

    von draußen

     

    und drinnen.

     

     

     

    Du machst mich wach

     

    Du bist nicht bei mir

     

    Ich fühle mit dir

     

    Du schreist

     

    Du weinst vor Schmerz

     

    Du lehnst Tupfer und Pflaster ab

     

    Du träumst Widerstand

     

    inmitten der schalldichten Nächte.

     

    Und Dunkelheit umarmt uns.

     

     

     

    Mittendrin

     

    in einer Nacht

     

    Du machst mich wach

     

    Du bist bei mir

     

    Ich spüre dein Gefühl

     

    Du lächelst

     

    Du verkörperst Gewißheit

     

    Du formulierst:

     

    Mama!

     

    Ich fühle,

     

    dass ich den Krebs besiege!“

     

     

     

    Und die Dunkelheit muss weichen!

  • Rändertanz

     

     

    Orientierungslos

     

    Perspektiven abgrundtief

     

    ins eiskalte Wasser der lodernden Flammen

     

    Schwebende Existenzen an scharfen Klippen

     

    festgezurrt:

     

    am „Soll“

     

    am „Muss“

     

    am “Darf nicht“

     

    freier Wille kalt gestellt

     

    stets am Rand

     

    droht das Leben zu erstarren

     

    Ziele drohen zu verbrennen

     

    im Takt des entrückten Seins

     

     

     

    Nur ein schmaler Grat aus Luft

     

    beschränkt von der bedrückenden Enge der Möglichkeiten

     

    Einzige Chance: Rändertanz

  • Zuversicht

    Zuversicht

     

    in deinen Augen

     

     

     

    Schaust hinaus in die Dunkelheit

     

    die uns umgibt

     

     

     

    Nimmst es so wie es ist

     

    Nimmst es so wie es kommt

     

    Nimmst es mit Fäusten entgegen

     

     

     

    Und irgendwie gewinnst du damit alles:

     

    unsere Tränen, tiefe Zeit und deine Zukunft

     

     

     

    Und neue Zuversicht

  • Zwiegespräch mit einer Mutter

    - Für Jil und Julia -

     

    Zwiegespräch mit einer Mutter

     

     

     

     

     

    Diese Böden unter den Füßen weg

     

    Von Jetzt auf Gleich

     

     

     

    Diese Hilflosigkeit dem Kind gegenüber

     

    So wochenlang

     

     

     

    Diese zermürbende Behandlung

     

    in zermarternden Takten

     

     

     

    Dieses dabei Fallen ins Nichts

     

    über Monate hin

     

     

     

    Die Therapie

     

    in der die Zeit schweigt

     

     

     

    Sehnsüchte machen sich breit

     

    wo das Leben bleibt